Mitte Januar hat der Diözesanausschuss diesen Text beschlossen. Der Antrag wurde von der Diözesankonferenz vertagt.

Wir befinden uns seit zwei Jahren in einer weltweiten Pandemie. In dieser Zeit war jede*r Einzelne gefragt, sich solidarisch zu zeigen. Dazu gehörte es, Abstands- und Hygieneregeln konsequent einzuhalten und sich als Zeichen der Solidarität und der Mitmenschlichkeit impfen zu lassen, sobald die Möglichkeit dazu bestand.

Wir stellen fest: Die Impfung ist sicher.

Der Impfstoff wurde schnell, aber nicht auf Kosten von Sicherheit und Sorgfalt entwickelt und zugelassen [1]. Der Impfstoff macht nicht unfruchtbar [2]. Der Impfstoff ist keine Belastung des Immunsystems, Impfungen trainieren das Immunsystem ohne das der Körper mit dem tatsächlichen Erreger konfrontiert wird. Nebenwirkungen, die erst ein Jahr oder Jahre nach der Impfung auftreten, sind nicht zu befürchten [3]. Die Angst basiert anscheinend auf dem Begriff Langzeitnebenwirkungen, die in seltenen Fällen aber bereits Tage bis Wochen nach der Impfung entdeckt wurden, die aber nicht langfristig bestehen bleiben. Seltene Nebenwirkungen (wie z. B. Hirnvenenthrombosen) werden schnell entdeckt und es wird sofort darauf reagiert.

Fakt ist: Noch nie gab es Impfstoffe, deren Sicherheit nach der Zulassung so genau untersucht wurden, da noch nie so viele Leute in so kurzer Zeit geimpft wurden.

Die Impfung schützt.
Die Impfstoffe schützen, aber der Impfschutz nimmt über die Zeit ab [4]. Daher ist es wichtig einen vollständigen Impfschutz inklusive Booster-Impfung zu haben [5], denn aktuell sind die allermeisten Personen auf den Intensivstationen ungeimpft [6]. Der Anteil der Impfdurchbrüche steigt nur, da immer mehr Menschen geimpft sind [7].Geimpfte geben das Virus schon allein deswegen weniger oft weiter, da sie sich seltener infizieren. Falls sie sich dann doch infizieren, gibt es weniger Symptome, die das Virus an die Mitmenschen weitergeben könnten. Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass die Viruslast bei infizierten Geimpften schneller abnimmt als bei Ungeimpften [8].

Man*Frau geht davon aus, dass dies auch dazu führt, dass man*frau weniger lange ansteckend ist. Aufgrund chronischer Krankheiten, Allergien oder weil sie zu jung sind, können sie sich nicht alle impfen lassen. Ein Infektionsschutz besteht nur dann, wenn sie sich in ihrem Umfeld nicht anstecken können. Sich impfen zu lassen, schützt also nicht nur sich selbst, sondern trägt gleichzeitig zum Schutz der Gemeinschaft und insbesondere zum Schutz von vulnerablen Gruppen bei.

Die Pandemie ist noch nicht vorbei.
Das Ende der Pandemie ist in Sicht. Nach der Pandemie wird das Corona-Virus endemisch und ähnlich wie andere Erkältungsviren vorkommen [9]. Da dann fast alle Menschen geimpft sind oder das Virus bereits hatten, wird davon ausgegangen, dass das Corona-Virus dann verhältnismäßig harmlos sein wird. Das Virus wird also nicht verschwinden. Ziel ist es, dass wir auf Weg zur Endemie keine Intensivaufenthalte und Todesfälle zulassen, die vermeidbar sind. Fakt ist: Bis zum Ende der Pandemie wird, wer jetzt noch nicht geimpft ist, sich entweder impfen lassen oder sich mit dem Virus anstecken.

Wir verstehen:
Impfbereitschaft sehen wir als unsere ethische Verantwortung an. Die Vorteile der Impfung überwiegen die Nachteile bei weitem, für jeden selbst und für die Gemeinschaft. Als KjG setzen wir uns für ein solidarisches Miteinander ein und sehen die Wahrnehmung des Impfangebots deshalb als unsere ethische Verantwortung – gerade Kindern und Jugendlichen gegenüber, die nicht selbst entscheiden dürfen.
Wir appellieren an alle Menschen mit Zugang zu Impfstoff: Zeigt euch solidarisch und lasst euch impfen!

Wir fordern: Pragmatismus. Jetzt!
Eine Impfpflicht könnte zu einer Spaltung der Gesellschaft führen, doch diese ist bereits da: Die eine Seite erkennt wegen Desinformation keine Fakten mehr erkennen und beruht sich auf ein „faires Freiheitsverständnis“ das eigentlich Egoismus ist. Die andere Seite (zum Glück der Großteil der Bevölkerung) wird an die Grenzen ihrer Empathie gebracht. Geimpfte müssen sich einschränken, wegen Menschen, die Impfungen und damit Fakten ablehnen. Geimpfte müssen sich um ihre Liebsten sorgen, wenn diese wegen Corona oder einer anderen Krankheit auf einer Intensivstation liegen, die voll ist [11], obwohl dies vermeidbar wäre. Eine Spaltung entsteht nicht durch eine Impfpflicht sondern durch eine Unterscheidung von Geimpften und Ungeimpften. Was, wenn alle Anreize, Aufklärung und niederschwelligen Angebote nicht ausreichen, um die Impflücke zu schließen? Kann man*frau dann eine Impfpflicht noch kategorisch ausschließen?

Wir als KjG sagen: Nein! Keine Maßnahme ist perfekt. Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen ist einfach zu kontrollieren und hilft. Die Zeit tickt, denn selbst wenn sich heute alle Ungeimpften impfen lassen dauert es noch Wochen bis der Impfstoff seine volle Wirkung zeigt. Natürlich wäre es besser, wenn die Menschen freiwillig und rational die beste Entscheidung für sich treffen würden. Aber eine Impfpflicht ist immer noch besser als eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus und möglicherweise der beste aktuell zur Verfügung stehende Weg.

Maßnahmen. Jetzt!
Wir fordern als KjG vom deutschen Bundestag schnellstmöglich über eine Impfpflicht zu debattieren und abzustimmen. Da ein langfristiger Schutz nur über eine Erhöhung der Impfquote möglich ist, müssen Menschen dringend zum Impfen motiviert werden und eine Impfpflicht darf nicht mehr kategorisch ausgeschlossen werden.
Wir fordern alle ungeimpften Menschen auf, das Privileg einer Impfung wahrzunehmen und somit die Menschen zu schützen, die sich nicht impfen lassen können. Bei der Bekämpfung des Infektionsgeschehens muss der Schutz von Geimpften und denen, die sich nicht impfen lassen können im Vordergrund stehen. Personen, die sich nicht impfen lassen, obwohl dies möglich ist, müssen dabei größere Einschränkungen in Kauf nehmen. Impfverweigerung ist purer Egoismus und ist nicht mit unseren christlichen Wertvorstellungen vereinbar!

[1] https://www.pei.de/DE/service/faq/coronavirus/faq-coronavirus-node.html [2] https://youtu.be/ZA8TSvyLhg4 [3] https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/corona-impfstoff-langzeitschaeden-100.html [4] https://twitter.com/rike_tweet/status/1458538821256196097 [5] https://www.spektrum.de/news/deutschland-im-coronawinter-experten-fordern-booster-offensive/1948363 [6] Abbildung 20 & 21: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2021-10-28.pdf?__blob=publicationFile [7] https://twitter.com/MaxCRoser/status/1447844912117043200 [8] https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(21)00648-4/fulltext [9] https://www.science.org/doi/full/10.1126/science.abe6522 [11] https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/coronavirus/corona-report/corona-report-11112021?pk_campaign=cr11112021