Folgende Stellungnahme wurde auf der Diözesankonferenz im November 2018 der KjG Aachen beschlossen:

Als katholischer Jugendverband bieten wir Kindern und Jugendlichen Räume, in denen sie sich ausprobieren, ihre Persönlichkeit frei entfalten und so fähig werden können, die Kirche und Gesellschaft mitzugestalten. Grundvoraussetzung dafür ist es, dass junge Menschen Kirche als sicheren Ort und die Beziehungen untereinander als vertrauensvoll erfahren. Die Ergebnisse der aktuellen Missbrauchsstudie haben für uns nochmals deutlich gemacht, dass diese Grundvoraussetzung für viele, die sich in den vergangenen Jahrzehnten aber auch aktuell in unserer Kirche engagiert haben, nicht gegeben war und ist. Dass dies Konsequenzen haben muss, sollte spätestens jetzt allen klar sein.

Bischof Helmut Dieser hat in seiner Stellungnahme, die Anfang Oktober veröffentlicht wurde, festgestellt, dass die Strukturen und Mentalitäten in unserer Kirche sexuellen Missbrauch nicht nur nicht verhindern, sondern sogar begünstigen und dass es daher Konsequenzen geben muss.

Daher erwarten wir, dass in der angekündigten Zusammenarbeit mit Betroffenen und Expert*innen wirklich alle kirchlichen Strukturen einer kritischen Überprüfung unterzogen werden, um den Missbrauch begünstigende Machtverhältnisse nicht nur zu erkennen, sondern auch zu beseitigen. Wir begrüßen es, dass der Bischof bereit ist auch über schwierige Themen, wie die zölibatäre Lebensform der Priester oder die katholische Sexualmoral zu sprechen und sehen es als notwendig an, dass unser Bischof bereit ist, auch Veränderungen herbeizuführen, die nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Dass grundsätzlich die Beratung der diözesanen Gremien einholt werden soll unterstützen wir ebenfalls und auch wir stehen, vor allem bei Fragen, wie die Stimmen von Kindern und Jugendlichen gehört werden können, zur Beratung bereit.

Betroffenen zuhören, Strukturen überprüfen und Präventionsarbeit stärken, sind wichtige Schritte, die gegangen werden müssen – und zwar umgehend. Wir warnen aber davor, dass die angestoßenen Diskussionen in Strukturdebatten enden und die nun vielleicht durch die Ergebnisse der Missbrauchsstudie vorhandene Bereitschaft zu tiefgreifenden Veränderungen verloren geht. Deshalb fordern wir, dass sich zusätzlich zu strukturellen Reformen auch die Haltungen in unserer Kirche verändern. Alle, die im Bistum Aachen Leitungsverantwortung übernehmen müssen Tag für Tag deutlich machen, dass der Kern von Leitung nicht Macht, sondern Verantwortung und Dienst an der Gemeinschaft ist. Eine Möglichkeit dieses Verständnis auch strukturell zu unterstützen, hat die BDKJ Diözesanversammlung mit dem Beschluss „Unsere Kirche braucht mehr Demokratie“ aus unserer Sicht aufgezeigt.

Kirche darf keinen Platz für Missbrauch jeglicher Art bieten.

Kirche muss Missbrauch wirksam bekämpfen.

Kirche muss ein sicherer Ort für alle sein.

Kirche muss bereit sein sich grundlegend zu wandeln.

Das ist ein Auftrag, der nicht exklusiv an die Bistumsleitung geht, sondern sich an alle Menschen in unserem Bistum richtet. Wir als katholischer Jugendverband nehmen diesen Auftrag gerne an und fordern alle Christ*innen auf, ihren Beitrag zu leisten.